Ansprache des Vorsitzenden des Vorstandes der Gesellschaft für Rechtsverglei-
chung, Prof. Dr. Uwe Blaurock, bei der Trauerfeier für Prof. Dr. Wolfgang Freiherr
Marschall von Bieberstein am 16.6.2003
Sehr verehrte, liebe Frau v. Marschall,
liebe Familie v. Marschall,
sehr geehrte Trauergemeinde
Wir haben soeben Würdigungen des kommunalpolitischen Wirkens von Wolf-
gang v. Marschall sowie seines Einsatzes als Johanniter gehört. Ich möchte etwas
zu Wolfgang v. Marschall als Wissenschaftler und Rechtslehrer sagen, so wie ich
ihn in über 30 Jahren gemeinsamer Tätigkeit in der Rechtsvergleichung kennen
gelernt habe.
Wolfgang v. Marschall begann seine wissenschaftliche Karriere an der Universität
Freiburg, wo er 1956 promoviert wurde und sich nach zwischenzeitlichen For-
schungsaufenthalten in Chicago 1966 habilitierte. Von 1966 bis 1978 war er ordent-
licher Professor an der Johann Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt und
seit 1978 Ordinarius an der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität Bonn,
wohin er als Nachfolger von Günther Beitzke berufen worden war. International
ausgerichtet führten ihn im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens eine Fülle von
Gastprofessuren in alle Teile der Erde, so in die USA an die Georgetown-
University in Washington , nach Australien an die University of Melbourne und
die Monash-University, nach Korea an die Yonsei-Universität und an die Natio-
nal-Universität Seoul, und nach Thailand an die Thammasat-Universität.
Das wissenschaftliche Werk Wolfgang v. Marschalls reichte vom Verbraucher-
schutz, insbesondere bei finanzierten Geschäften, über das Schadensrecht und die
Produkthaftung hin zum Gesellschaftsrecht, jeweils immer in klassischer rechts-
vergleichender Analyse, bei der er sich in beeindruckender Präzision und Genau-
igkeit den breiten internationalen Lösungsvorrat erschloss.
In der Gesellschaft für Rechtsvergleichung hat Wolfgang v. Marschall 31 Jahre
lang in maßgeblicher Funktion mitgewirkt. Von 1956 (also unmittelbar nach seiner
Promotion) bis 1969 war er Sekretär der Fachgruppe für vergleichendes Handels-
und Wirtschaftsrecht und als Nachfolger Ernst von Caemmerers von 1970 bis 1985
deren Leiter. Insgesamt 18 Jahre lang gehörte er dem Vorstand der Gesellschaft für
Rechtvergleichung an. In der Fachgruppe hat er eine Fülle von rechtsvergleichen-
den Projekten angestoßen und betreut, die noch heute zum wesentlichen Arbeit-
programm gehören, mit dem wir uns beschäftigen. Ich habe in den vielen gemein-
samen Sitzungen immer wieder seinen großen Einsatz erlebt, der auch scheinbare
Nebensächlichkeiten mitumfasste, und stets seine beeindruckende internationale