16.06.2003
Trauerrede Herr von Marschall
Liebe Frau von Marschall,
liebe Kinder, Enkelkinder und Angehörige des Verstorbenen,
werte Trauergemeinde
Tief beeindruckt, voll großer Trauer und insbesondere voll großer Anteilnahme müssen
wir heute Abschied nehmen von einem Mann, der sich für die örtliche Gemeinschaft sei-
ner Heimatgemeinde und im besonderen seiner Ortschaft Unteribental in besonderem
Maße verdient gemacht hat. Wir beklagen den Verlust eines lieben Menschen von be-
eindruckender Persönlichkeit, dem sowohl in unserer Gemeinde als auch in Unteribental
eine große Achtung und eine enorme Wertschätzung für sein individuelles, engagiertes
und erfolgreiches Wirken zuteil wurde. Professor Dr. Wolfgang Freiherr Marschall von
Bieberstein war ein Mensch, der vor allem durch das überzeugende eigene Vorbild,
durch menschliche Größe und durch sehr große Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit
in seinem Urteil
überzeugte.
Es sei mir gestattet, dass ich das außergewöhnliche, beispiellose und vorbildliche kom-
munalpolitische Wirken unseres lieben Verstorbenen nochmals kurz skizziere:
- Von 1959 bis 1999 – also 40 Jahre - gehörte er ununterbrochen dem Gemeinderat in
Unteribental und seit 1975 in Buchenbach an.
- 12 Jahre stellvertretender Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Unteribental und
von 1975 bis 1977 zweiter Bürgermeisterstellvertreter in Buchenbach.
- Von 1975 bis 1980 und von 1994 bis 1999 Ortschaftsrat in Unteribental.
- Von 1994 bis 1999 ehrenamtlicher Ortsvorsteher in Unteribental.
Diese Daten und Fakten versetzen auch den objektiven Betrachter ins Staunen. Insbe-
sondere auch deshalb, weil Professor von Marschall lange Zeit seinem Beruf als Hoch-
schullehrer in Frankfurt und später in Bonn nachzugehen hatte und somit oft zusätzliche
Fahrten zwischen dem ehrenamtlichen Vorort-Einsatz und der beruflichen Verpflichtung
notwendig wurden. Die Frage stellt sich, wer war diese Persönlichkeit, die sich vier Jahr-
zehnte ehrenamtlich und uneigennützig in den Dienst der örtlichen Gemeinschaft, der
Verantwortung des Bürgers stellt und immer wieder bei den Wahlen das Vertrauen der
Bürger erhält.
Ausgeprägtes Pflichtbewusstsein der Heimat gegenüber, enormes bürgerschaftliches
Engagement und eine beeindruckende Persönlichkeit prägten den Charakter und die
Einstellung unseres „Barons“, wie er im Volksmund liebevoll genannt wurde. Die Sorgen
und Nöte der einzelnen Bürgerinnen und Bürger waren für ihn immer Motivation und
Maßstab seines Handelns, ohne allerdings die Interessen der Allgemeinheit außer acht
zu lassen. Bei rechtlichen Problemen war er der kompetente und erfolgreiche Ansprech-
partner, bei dem guter Rat zum Nulltarif zu haben war. Nicht zuletzt war er für die jeweili-
gen Bürgermeister – da schließe ich auch meine Person mit ein – eine vertrauensvoller,
sachkundiger und erfahrener Ratgeber. Aber auch die Tatsache, dass er bereit war, als
ehrenamtlicher Ortsvorsteher eine Periode in Unteribental zu wirken, bestätigt diese
grundsätzliche Einstellung unseres lieben Verstorbenen.